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1947 erschien dieser Vorläufer der Indiana-Jones-Romane als querformatiges Heft unter dem Pseudonym Anthony Michael in einem winzigen österreichischen Verlag. Damals lebte und arbeitete C.V. Rock in Wien, wo er auch seiner Verdienste um die Verständigung der österreichischen Regierung mit den Amerikanern wegen zum Ehrenbürger gekürt wurde.
Man merkt Rocks üblicherweise schon flottem Stil an, dass ihm das Schreiben nach mehrjähriger kriegsbedingter Pause großen Spaß machte! Genauso, wie es mir Spaß gemacht hat, diesen Roman zu bearbeiten und weiter auszuschmücken. Und falls er Ihnen, den geneigten Lesern, ebenso viel Spaß bereitet, hat alle Arbeit ihren Zweck erfüllt.
Hans Dieter Römer
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Seine Füße schlurften erschöpft durch den dicken Staub auf den Steinplatten, mit denen der Tempel ausgelegt war. Als er sich umblickte, vermochte er jedoch keinerlei Spuren im Staub zu entdecken. Die brennende Fackel in seiner Hand knisterte und spuckte einige Funken in die stickige Luft, die seit Jahrhunderten keine Lunge mehr berührt hatte. Es roch verbrannt.
Eine Kriegermumie stand neben der gewaltigen Steinplatte des Eingangs zum Allerheiligsten. Die Haut des Schädels schien verdorrt und war so geschrumpft und papierdünn, dass die Knochen an einigen Stellen weißlich durchschimmerten. Mit gebleckten Zähnen grinste ihn der Krieger an. Mit jedem Schritt, den sich Conrad Berklyne dem Wächter näherte, hob sich die gewaltige Bronzeaxt in den Klauen der Mumie ein Stückchen höher.
Dann glühten die Augen des Kriegers in einem klaren, tiefen Smaragdgrün auf, das ihn gefangen nahm, seinen Blick in sich aufsaugte, ihn nicht mehr losließ. Es war, als würde ihm jede seiner Körperzellen herausgerissen und in diese Augen hinein geschwemmt, einzeln überprüft, getestet ...
Er schrie auf vor Schmerz und Angst, und erwachte.
Conrad Berklynes Hemd klebte an seinem verschwitzten Körper. Staub drang überall hin und scheuerte seine Haut wund. Die Schaftstiefel waren immer noch ein wenig zu eng, und so schmerzten ihn die Füße – aber Schaftstiefel waren der Schlangen in diesem Gebiet wegen unbedingt notwendig. Der Schweiß lief ihm beißend in die Augen, und wenn er sich die Stirn mit dem Handrücken abwischte, blieben Dreckschmierer zurück. Kurz gesagt: Er fühlte sich absolut beschissen.
Strymer ging es allerdings nicht besser. Stöhnend, denn er war schwere körperliche Arbeit mit Sicherheit nicht gewohnt, wuchtete er neben Berklyne Steinbrocken beiseite, legte sie in Körbe, und die Mulieros schleppten sie dann in die Vorhöhle, damit in dem engen Gang Platz genug zum Arbeiten war. »Können wir nicht mal eine Pause einlegen, Berklyne?«, keuchte er.
»Wir sind gleich durch!«, feuerte ihn der Angesprochene zu neuer Aktivität an. Und dann brach ein großes Stück der Mauer heraus, die den Gang vor ihnen versperrt hatte. Und die beiden Männer schrien entsetzt auf, als sich in der entstandenen Lücke eine verzerrte Fratze mit lederner Haut, gebleckten, lückenhaften Zähnen und leeren Augenhöhlen zeigte, in denen große, verschmutzte Kristalle staken, die sich bei Säuberung wohl als Edelsteine entpuppen mochten. Die grauenhafte Fratze kippte langsam nach vorn durch die Mauerlücke und blieb anschließend am unteren Rand hängen. Und da stellten Berklyne und Strymer erleichtert fest, dass es sich um das Gesicht einer Mumie handelte, die als Wächter innen an der Mauer gelehnt hatte!
Eine Stunde und weitere Arbeit später standen sie vor dem Tor zum unterirdischen Tempelbezirk der Azteken. Aus schweren, schwarzen Steinquadern gemauert öffnete es sich auf einen schmalen Mauergang, der in weitere tiefe Dunkelheit hinein führte. Der Schein ihrer Fackeln zeigte nicht, was sie dort erwartete ...
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